Können Veganer Katholiken sein?

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Der wachsende Veganismus entzweit zunehmend katholische Veganer von ihrer Kirche:  Können sie noch Katholiken bleiben? Können sie weiter an der katholischen Feier der Eucharistie teilnehmen? Diese Fragen sind Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie von Katholischen Dogmatikern in Bochum. Erste Antworten klingen nach einem eindeutigen „Nein“; erste Ergebnisse der heute begonnenen Studie könnten nach bisherigen Informationen schon an Fronleichnam vorliegen.

Gegenstand des Dissens ist die Eucharistie. In ihrem Zentrum steht das allerheiligste katholische Sakrament: die Kommunion. Gläubige nehmen mit der Hostie und dem Wein Fleisch und Blut Christi in sich auf. Dieser Glaube beruht auf dem 1. Korintherbrief Paulus: “Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ (1. Kor 11, 23-25).

Diese so genannte „Transsubstantiation“ wurde auf dem Konzil von Trient (1545-1563) bekräftigt. Dem vorausgegangen war eine lange Diskussion der Interpretation der Metaphysik des Philosophen Aristoteles (384-322 v.Chr.). Ihr zufolge besteht jedes Ding aus der „Substanz“, seinem nicht sinnlich wahrnehmbaren Wesen, und den „Akzidentien“, seinen wahrnehmbaren Eigenschaften. Das vierte Laterankonzil 1215 hat die Transsubstantiation festgeschrieben. Seitdem ist sie integraler Katholischer Glaube: „Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes.“ Im Gegensatz zur Lehre Aristoteles’ werden durch die Transsubstantiation der Substanz die Akzidentien nicht verändert.

Wie sollen also Veganer mit der Transsubstantiation umgehen? Können sie noch an der Feier der Eucharistie, also der heiligen Kommunion teilhaben, wenn dort tatsächlich Brot und Wein in Fleisch und Blut verwandelt gereicht werden? Oder verliert etwa die Katholische Kirche eine Bevölkerungsgruppe, die – zumindest in Deutschland – sich zunehmender Beliebtheit insbesondere bei jungen Menschen erfreut, die sich zu einer hoch moralischen Lebenshaltung bekennen, weil sie das Leid, das Menschen Tieren antun, nicht mehr mit ertragen können? Muss die Katholische Kirche ihre moralische Haltung heutigen Erfordernissen anpassen und damit womöglich einen zentralen Teil ihres Ritus umdeuten? Eine Spaltung könnte bei Beharren auf dem je eigenen Standpunkt unumgänglich werden.

Mit großer Spannung werden daher erste Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Studie erwartet. Dass sie gerade an Fronleichnam bekannt gegeben werden, dem Tag, an dem Katholiken das „Fest des heiligen Leibes und Blutes Christi“ feiern, könnte darauf hindeuten, dass die Katholische Kirche ihre harte Haltung nicht aufzugeben bereit sei. Dennoch sind Zweifel angebracht. Da Papst Franziskus die Modernisierung der Katholischen Kirche und des Glaubens vorantreibt, ist es wahrscheinlich, dass die Wissenschaftler das römische Plazet einholen. Das könnte dauern. So deutet einiges darauf hin, dass das Urteil erst in einem Jahr, also am 1.4.2018 gesprochen wird, am Ostersonntag, dem Tag der Auferstehung des Herrn.

Zugleich und mit zahlreichen Kommentaren in der FAZ

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12 Gedanken zu „Können Veganer Katholiken sein?

  1. Ein weiterer schwieriger Punkt: in der Fastenzeit soll auf den Verzehr von Fleisch verzichtet werden. Traditionell wird in katholischen Gegenden an Freitagen Fisch statt Fleisch gegessen. Beides wäre für Veganer ja kein echter Verlust. Tierische Produkte nutzen sie eh nicht. Behaupten sie jedenfalls.

    Sollte der Führungskader innerhalb der Katholischen Kirche hier nicht speziell auf die Veganer angepasste Vorgaben entwickeln? Sowas wie „in der Fastenzeit keine Smoothies“ oder „Rohkostriegel: Freitags nie“. Schließlich ist einer der Kerne des wahren Glaubens, dass die Predigerkaste Vorgaben entwickelt, an die sich sowieso kaum einer hält. Folglich die Kreativität der Gläubigen gefragt ist, wenn es darum geht, all diese strengen Regeln zu umgehen. Was dann den Effekt hat, dass das Sündigen erst so richtig Spaß macht. Die Klerikader gehen ja schließlich selbst mit bestem Beispiel voran.

      1. Wenn ich mich jetzt mal an den Jesuitenjungs orientiere und rabulistisch, d.h. mit manipulativem Hintergrund formuliere, dann würde ich sogar noch weitergehen. Denn die abrahamitischen Religionen reglementieren offiziell in erster Linie die Sexualität und die Nahrungsaufnahme. Beides wird dadurch ja erst so richtig interessant. Auf jeden Fall attraktiver, als wenn man selbstbestimmter über diese beiden Lebensbereiche entscheiden darf. Wir modernen Menschen sind dazu seit wenigen Jahrzehnten in der Lage. Und siehe da: die Bevölkerung verzichtet freiwillig. Die Zahl Derjenigen, für die gemeinschaftliche Sexualaktivitäten im persönlichen Ranking die Plätze weiter hinten einnehmen und die Rate an Personen, die das, was unseren Vorfahren noch als Luxusnahrung bzw. Getränk für besondere Anlässe galt, reduzieren oder gar nicht mehr konsumieren steigt.

        Womit sollen PapaFranz, seine KollegInnen von der christlichen Konkurrenz und die Vettern aus dem jüdischen und muslimischen Lager ihre Schafe noch beeinflussen? Sich in die Politik reinhängen? Umweltschutz? Fusionieren und den Druck auf die Menschen erhöhen? Zurück zum Kerngeschäft?

        Eine Option wäre es auch, einfach auf die Gläubigen zu verzichten. Bei der Katholischen Kirche könnte das funktionieren. Denn immerhin wurde in dem Laden nicht mal festgelegt, wer denn genau mit „die Kirche“ gemeint ist. Bin mir aber sicher, dass der Führungskader von „die Kirche“ ganz genaue Vorstellungen davon hat, wer über die Besitztümer dieses großen alten Ritualdienstleisters verfügen darf. Im Umgang mit ihren Missbrauchsverbrechen eiern sie herum. Wenn es um ihr Geld geht, reagieren sie dagegen sofort.

  2. Anders herum wird ein Schuh daraus: In der Fastenzeit (40 Tage?) dürfen Veganer kein Gemüse und kein Obst essen. Das dürfte das Problem elegant lösen – 40 Tage später gibt es keine Veganer mehr…

    1. Aber geht es wirklich darum, das Problem „Veganer“ zu lösen oder nicht vielmehr die Frage nach dem Verständnis der „Wandlung“? 😉

  3. Gute Arbeit!!!Jetzt muss ich mich stundenlang mit Leuten rumärgern die das glauben was sie in der FAZ lesen!!
    Bitte packen Sie solch gute(!!!) Artikel in die Rubrik Satire!! Als Fan von Satire bin ich selber für gute Storys zu haben, leider ist die Grenze zwischen Satire und Alltag oft fließend! Deswegen sollte Satire auch immer in einer Sandbox lagern. Dort ist sie geschützt vor Fehldeutung und bringt keine Missverständnisse vor.
    Berliner Zeitung „Nowottny räumte ein, daß die Satire leider danebengegangen sei. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/17461990 ©2017
    So etwas ist amüsant, aber untergräbt die Seriosität der „Lügenpresse“. Satire ist schützenswert, aber sie muss unmissverständlich sein! Sei es durch den Text selber oder durch seine Kennzeichnung. Nicht jede/er mag solche Texte verstehen wie sie vielleicht(!) gemeint sind. Der Stempel Satire hilft bei der Verortung. Bitte schreiben Sie mehr solch gute Satire Texte.

    1. Danke für den Kommentar, aber bedenken Sie einfach: Wenn „Satire“ darüber stünde, funktionierte der Text nicht, und ich könnte niemanden in den April schicken. Außerdem, heißt es nicht in der Werbung der FAZ, dass dahinter ein kluger Kopf sei? Wenn er nicht die Chance, sich als solcher zu erweisen, was dann …?

  4. Daß es sich hier um einen Aprilscherz handelt, war ja wohl offensichtlich. Auf den ersten Blick mag man vielleicht auch denken, der Scherz bestünde in der Veganer-Frage. Wer jedoch die deutsche Hochschultheologie kennt, dem ist auf Anhieb klar, was der eigentliche Scherz ist: nämlich daß heutige Theologen die Philosophie des Aristoteles und das Konzil von Trient ernsthaft in Erwägung ziehen.

    1. So kann man es auch sehen … Und dennoch ist die theologische Frage nach der Transsubstantiation weiter ungelöst (wie auch die zur Auferstehung des Fleisches).
      Manchem war das „offensichtlich“, vielen FAZ-Lesern nicht, wie die Kommentare beweisen.

      1. „Manchem war das „offensichtlich“, vielen FAZ-Lesern nicht, wie die Kommentare beweisen.“
        Dieser Satz beweist wie wichtig es ist, das Satire in einer Sandbox verortet wird. Nicht jede/er welcher 30 Jahre in Deutschland parallel zu unserer Gesellschaft lebt und 2 Sätze Deutsch beherrscht, mag verstehen , gar wissen das in Deutschland zum ersten April wunderschöner Unsinn getrieben wird!!!!Wenn der bayerische Papst die Protestanten zu Sektierer erklärt und Schwule sowie Lesben zum Arzttermin bittet, dann trifft, allzu oft, unser Alltag auf Satire!!! Wenn jemand Satire und tolle Karikaturen, gar Gotteslästerung, als Motive für Mord und Menschenschlächterei missbraucht, ist eine Sandbox von Nöten ! Die AAA Presse ist der Fels in der Brandung! Sie muss verhindern das Informationen missverstanden werden, ob gewollt oder nicht! Kluge Köpfe brauchen seriöse Infos. Unter vielen Medien ist die FAZ ein Garant für intelligente Meinungsbildung. Würde ein solcher Artikel zu einem anderen Tag veröffentlicht, wäre dies eine Fake News und abträglich für unsere Gesellschaft.

        1. Da stimme ich weiterhin nicht mit Ihnen überein. Das beweist nur, dass die Menschen lernen müssen, genauer und kritischer zu lesen. Wenn Satire in „Boxen“ verbannt werden, kommt das der Verdummung zugute! Außerdem funktioniert Satire nicht, wenn sie als solche gekennzeichnet ist – und Aprilscherze würden erst recht nicht funktionieren, wenn groß darüber geschrieben stünde: „Achtung: Aprilscherz – nicht darauf reinfallen!“ Und zudem hat FAZ freundlich den Aprilscherz in ihrem update von gestern aufgelöst. Das sollte reichen.

  5. Lieber Josef,

    schöner Text. Und ich habe wirklich einen Augenblick gebraucht, bis mir beim Blick aufs Datum klar war, um was es sich handelt. Auch wenn das bislang nicht Gegenstand einer ernsthaften theologischen Debatte war, spätestens durch Deinen Beitrag ist es (siehe Kommentar weiter oben) offenbar dazu geworden. 🙂

    Herzliche Grüße und bis bald,
    Jan-Martin

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