Archiv der Kategorie: Allgemein

„Wolkige Kommunikation“? Nein, wolkiger Kommentar!

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Der Kommentar von Jan-Martin Wiarda im ZEIT-Campus-Brief vom 4.10.2018 und in seinem Blog kann nicht unwidersprochen bleiben. Die Art und Weise, wie Wiarda die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2018 und der Befragung Carsten Könneckers (Karlsruhe) der Teilnehmer der Lindauer Nobelpreisträgertagungen interpretiert, ist nicht angemessen. Die Konsequenzen, die er daraus für die Wissenschaftskommunikation fordert, sind schlicht falsch.

Wiarda verweist darauf, dass zwar 54 Prozent der Menschen in Deutschland Wissenschaft und Forschung vertrauen, meint aber „allerdings schlucken“ zu müssen, weil Dreiviertel der Befragten „sagen, dass die Orientierung am Gemeinwohl zu den Eigenschaften eines guten Wissenschaftlers“ gehörten, aber dass nur 40 Prozent glaubten, dass Wissenschaftler tatsächlich zum Nutzen der Gesellschaft forschten. Wiarda meint darin, eine langfristig gefährliche Kluft für die Akzeptanz freier Forschung sehen zu müssen.  „Wolkige Kommunikation“? Nein, wolkiger Kommentar! weiterlesen

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Wissenschaft braucht das Grundvertrauen von Laien

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Der Kölner Philosoph Thomas Grundmann beendet seinen bemerkenswerten Beitrag „Der Weg der Wahrheitsfindung“ mit dem Satz: „Der Erfolg der modernen Wissensgesellschaft beruht essenziell auf Asymmetrien der Glaubwürdigkeit.“ Er folgert daraus, dass das „Vertrauen in Experten und Autoritäten … geschützt und gestärkt werden“ müsse.

Fast reflexartig meldet sich auf den Beitrag der Wissenschafts-PR-Experte Jens Rehländer in seinem Blog mit der reißerischen Überschrift: „Wissenschaftler findet: Wissenschaft braucht keine Öffentlichkeit“. Für ihn enthalten Grundmanns Thesen „starken Tobak“.

Wer hat nun Recht? Grundmann oder Rehländer – oder womöglich beide? Was behauptet denn Grundmann so Schlimmes, das Rehländer zu dieser Reaktion veranlasst? Wissenschaft braucht das Grundvertrauen von Laien weiterlesen

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Vom Verlust der leisen Töne

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Vor knapp zwei Jahren habe ich mir „neue Ohren“ gegönnt, na ja, ein Paar Hörgeräte. Zu lange hatte ich mich in lauter Umgebung aus Gesprächen ausgeschlossen gefühlt; ich konnte einfach die Stimmen der einzelnen und was sie sagten nicht mehr so genau unterscheiden. Mit den neuen Hörgeräten bin ich wieder mitten im Geschehen: Ich kann den meisten Gesprächen folgen, manches Musikstück entdecke ich neu und empfinde dabei einem besonderen Genuss; außerdem höre ich plötzlich wieder Wasser aus dem Hahn rauschen, Papier rascheln und selbst gelegentlich das leise Piepsen der Spülmaschine, die das Ende des Programms ankündigt. Viele verloren gegangene Töne sind wieder da!

Dennoch vermisse ich die leisen Töne! Noch mehr vielleicht die Zwischentöne. Aber ganz wo anders. Als Mensch der Medien und der Kommunikation verfolge ich natürlich die tägliche Nachrichtenwelt mit großer Neugier und sehe, dass sie hier weitgehend verloren gegangen sind. Übrig geblieben ist fast allein das laute Geschrei. Das zeigt sich besonders dieser Tage bei den Stimmen und Kommentaren zu den Sondierungsgesprächen für die so genannten Jamaika-Koalition, ihrem Scheitern und der hastigen Suche nach Auswegen zwischen Neuwahlen, Minderheitsregierung und erneuter Großer Koalition. Eine Meute von Tagesjournalisten hetzt die Politiker vor ihre Kameras und Mikrofone, aber mir kommt es vor, dass sie den Antworten kaum noch zuhört. Es ist, als ob sie nicht mehr die Zeit hat, das Gesagte zu verarbeiten, oder es auch gar nicht will. Besserwisser sind zumeist unterwegs und verkünden ihre Meinung in aufgeregter und hochgerüsteter Sprache. Vom Verlust der leisen Töne weiterlesen

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Wenn die Familie sich gelegentlich trifft …

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Anmerkungen zur Tagung der Stiftung Volkswagen „Wissenschaft braucht Gesellschaft“ 

Ja, wie geht es denn nun weiter? Die Ausgangsfrage auf der Tagung „Wissenschaft braucht Gesellschaft – Wie geht es weiter nach dem March of Science?“ ist eben nicht diskutiert worden. Diesmal hatte die  VolkswagenStiftung zusammen mit der Robert Bosch Stiftung, der ZEIT und der Leopoldina zum „Familientreffen“ nach Hannover eingeladen, und es kamen zahlreiche Familienmitglieder: die üblichen Wissenschaftler*innen für ihre Organisationen, die besonderen Wissenschaftsjournalist*innen für ihre Zunft und die Handvoll Pressesprecher*innen, mit großem geordneten Laden und Zeit dafür. Fast alle kennen sich gut untereinander und wissen, wie der jeweils andere denkt. Die Fluktuation auf diesen Familientreffen ist deutlich geringer als in den meisten Institutionen der Wissenschaft selbst.

Wissenschaftsbarometer ist interpretierbar

Viel wurde der Vertrauensverlust der Wissenschaft beklagt. Bereits im Eingangsstatement mahnte Prof. Dr. Joachim Rogall, dass die „eigentliche Vertrauenskrise“ noch komme. Zu wenig ist aber differenziert worden, wer wo wann welches Vertrauen verloren hat. Das häufig ins Feld geführte Wissenschaftsbarometer 2017 ist interpretierbar und lässt Rückschlüsse in beide Richtungen zu: Mehr als 50 % vertrauen der Wissenschaft, und nur 12 % vertrauen ihr nicht oder eher nicht. Die große Mehrheit stellt für sich fest, dass sie von der Wissenschaft eher profitiert und dass sie mehr Nutzen als Schaden stiftet. Also alles gut, oder …? Wenn die Familie sich gelegentlich trifft … weiterlesen

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Können Veganer Katholiken sein?

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Ein Aprilscherz

Der wachsende Veganismus entzweit zunehmend katholische Veganer von ihrer Kirche:  Können sie noch Katholiken bleiben? Können sie weiter an der katholischen Feier der Eucharistie teilnehmen? Diese Fragen sind Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie von Katholischen Dogmatikern in Bochum. Erste Antworten klingen nach einem eindeutigen „Nein“; erste Ergebnisse der heute begonnenen Studie könnten nach bisherigen Informationen schon an Fronleichnam vorliegen.

Gegenstand des Dissens ist die Eucharistie. In ihrem Zentrum steht das allerheiligste katholische Sakrament: die Kommunion. Gläubige nehmen mit der Hostie und dem Wein Fleisch und Blut Christi in sich auf. Dieser Glaube beruht auf dem 1. Korintherbrief Paulus: “Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ (1. Kor 11, 23-25). Können Veganer Katholiken sein? weiterlesen

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„Postfaktisch“ – ein Kampfbegriff von Intellektuellen

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In den letzten Monaten macht der Begriff „postfaktisch“ die Runde durch die deutschen Medien – und heute (9.12.2016) ist er von der Deutschen Gesellschaft für Sprache und Literatur zum „Wort des Jahres“ geadelt worden. Besser wäre, sie hätte ihn zum „Unwort des Jahres“ gewählt!

Seine Karriere ist, so meine Beobachtung, sehr eng verbunden mit den Lügen, die der inzwischen gewählte designierte Präsident der USA, Donald Trump, im Wahlkampf verbreitet hat. Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht insbesondere intellektuelle und bürgerliche Journalisten das „postfaktische Zeitalter“ ausrufen oder herbeischreiben wollen. Selbst ins berühmte Oxford Dictionary hat der Begriff „post truth“ Eingang gefunden. Und nur wenige Stimmen höre ich, die da widersprechen, so etwa Joachim Müller-Jung (FAZ) „Die ‚postfaktische Ära‘ ist Nonsens“, oder zuletzt Prof. Andreas Zick auf dem „Forum Wissenschaftskommunikation“ in Bielefeld, der den Begriff zurechtrückt: „Postfaktisch ist ein falscher Begriff, es geht um Verzerrung.“ „Postfaktisch“ – ein Kampfbegriff von Intellektuellen weiterlesen

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„Herausforderung“  

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Über die Verarmung der deutschen Ausdrücke

Neulich las ich in einer Stellungnahme der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) zur „Humanen Genomsequenzierung“ folgende Zeilen: „Eine besondere Herausforderung stellen die sogenannten Zusatzbefunde dar.“ Und nur einen Gedankenstrich weiter: „Die Aufklärung von Patientinnen und Patienten bei humangenetischen Fragestellungen ist besonders herausfordernd und vielschichtig.“ Die Beispiele sind beliebig, ich könnte Hunderte weitere solcher Sätze aus Stellungnahmen, Pressemitteilungen und auch aus Interviews von Politikern zitieren. Ein weiteres Beispiel gefällig: „Geld hatte der Staat zu Zeiten der Hochschulgründungen genügend, die Politik hoffte mit Zuversicht, dass die Region sich als blühende Wissenslandschaft entfalten würde. Die Hege und Pflege dieses Erbes ist bis heute eine Herausforderung.“

Was kaum noch auffällt: Jedes Problem, jede Aufgabe, jede Schwierigkeit, ja auch jede Brüskierung, jede Bedrohung, jeder Affront wird verharmlost zur „Herausforderung“. „Herausforderung“ bzw. „herausfordernd“ gerinnen zu einem „Plastikwörtern“ (Uwe Pörsken): Diese Wörter tauchen in beliebigen Zusammenhängen auf, sind vielfältig verwendbar, klingen gut, man fragt nicht danach, was dahinter steckt bzw. die Sprecher sagen wollen; sie drücken sich damit aber stereotypisch und geschwollen aus. „Herausforderung“   weiterlesen

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Früher war mehr Öffentlichkeit …

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 Gedanken zur Informationspolitik bei der aktuellen Rektorwahl in Bochum

Gestern hat mich ein Freund zuhause besucht, er ist Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Als ich ihn fragte, ob er auch am Montag zum Spektakel Rektorwahl geht, rieb er sich die Augen und schaute mich völlig verwundert an: „Jetzt Montag wird der neue Rektor gewählt? Davon weiß ich nichts. Wer steht nun zur Wahl an? Gab es eine Presseinformation?“, so seine Fragen.

Nicht nur der Termin war ihm also völlig unbekannt, er wusste auch nicht welche Personen sich der Wahl stellen. Nun kann man einwenden, dass er sich um die Informationen selbst hätte bemühen können. Hätte er …?! Ist das seine Aufgabe? Was erfährt heute, am Donnerstag, 9.7.2015, ein normales Mitglied der Universität über die Wahl seines zukünftigen Rektors, eine Wahl, die in genau vier Tagen, also am kommenden Montag, 13.7., stattfindet? Wohlgemerkt: ein normales Mitglied meint Personen aus den Gruppen Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Mitarbeiter in Technik und Verwaltung sowie Studierende, die keinen Zugang zum Flurfunk haben! Früher war mehr Öffentlichkeit … weiterlesen

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Von „Kinder-Unis“ und wie sich journalistische Rollen verwischen

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Neulich war ich wieder mal in Sachen Kinder-Unis unterwegs. Die Redaktion Wissenschaft und Bildung des Deutschlandfunks hatte mich für die Sendung „Campus & Karriere“ zu einem Streitgespräch mit der Tübinger Journalistin Ulla Steuernagel gebucht (gesendet am 16.5.2015). Ich sollte die „Gegnerposition“ einnehmen. Eine Rolle, die ich bereits ein Jahr zuvor auf der internationalen Kölner Kinderuni Tagung „Unterwegs zur besten Kinderuni“ gespielt hatte und in die mich damals Michael Seifert aus Tübingen gleichsam „gedrängt“ hatte. Na ja, „halb zog er mich, halb sank ich hin“.

Wenn ich das Streitgespräch mit Ulla Steuernagel erneut höre, kommt es mir so vor, als ob wir aneinander vorbeireden. Sie hat nur den Blick frei für die Erfolgsstory der Kinder-Unis und deren nicht erwiesene Rolle in der frühkindlichen Bildung. Mein Blick richtet sich daran vorbei auf die Aufgaben, Zielgruppen und Finanzen von Universitäten. Dabei leugne ich keineswegs, dass Kinder vom Besuch der Kinder-Unis fasziniert nach Hause zurückkehren und dass auch Professoren ihren Spaß an den Veranstaltungen haben. Doch darum geht es mir hier gar nicht. Von „Kinder-Unis“ und wie sich journalistische Rollen verwischen weiterlesen

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Über das Erscheinungsbild der Ruhr-Universität Bochum

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Warum mein Blog mit diesem Beitrag startet

Zum ihrem 50jährigen Jubiläum 2015 gibt die Ruhr-Universität Bochum (RUB) in der ersten Juniwoche den Band „Blaues Wunder“ heraus. Er enthält 50 Beiträge von Autoren mit ihrem „persönlichen Bild eines jeweils besonderen Aspekts der Entwicklung und der Gegenwart unserer Alma Mater“ (http://www.ruhr-uni-bochum.de/rub50/publikationen-blaues-wunder.html). Auch mein Beitrag – eine Hommage an die RUB – sollte dort erscheinen.

Im Oktober 2014 bat mich der Herausgeber des Jubiläumsbandes, für diesen Band einen Text zur Entwicklung des Corporate Design der RUB zu verfassen. Seine einzige Vorgabe war „7 Seiten“. Mitte Dezember habe ich meinen Text mit dem guten Gefühl abgeliefert, einen „runden Text“ geschrieben zu haben. Ich hatte mir viel Mühe gegeben, ihn mehrfach überarbeitet und Tipps von Freunden und Kennern eingearbeitet.

Anfang Februar 2015 bekam ich ihn vom Herausgeber erheblich „überarbeitet“ zurück. Insbesondere meine Erklärung, aus welchem hochschulpolitischen Verständnis im Logo der RUB das „B“ mager gedruckt wird, glaubte der Herausgeber aus Rücksicht gegenüber Stadtspitze Bochums streichen zu müssen. Ich hätte gern meinen Beitrag im „Blauen Wunder“ gesehen. Aber ich war nicht bereit, meine Formulierungen auf dem „Altar der political correctnes“ zu opfern. Der Text erscheint also dort nicht, vielleicht auch deshalb, weil ich mir „zuviel subjektive Sicht“ erlaubt habe, die doch angeblich den „Reiz dieser Sammlung“ ausmachen soll.

Da ich weiterhin von der Qualität meines Aufsatzes überzeugt bin, veröffentliche ich ihn hier. Ich verstehe ihn weiterhin als einen kritischen Glückwunsch zum 50.! Der Text ist vielleicht zu lang für einen Blogeintrag – wer ihn daher nicht am Rechner lesen will, kann sich die PDF-Datei hier herunterladen. Über das Erscheinungsbild der Ruhr-Universität Bochum weiterlesen

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