„Postfaktisch“ – ein Kampfbegriff von Intellektuellen

Share Button

In den letzten Monaten macht der Begriff „postfaktisch“ die Runde durch die deutschen Medien – und heute (9.12.2016) ist er von der Deutschen Gesellschaft für Sprache und Literatur zum „Wort des Jahres“ geadelt worden. Besser wäre, sie hätte ihn zum „Unwort des Jahres“ gewählt!

Seine Karriere ist, so meine Beobachtung, sehr eng verbunden mit den Lügen, die der inzwischen gewählte designierte Präsident der USA, Donald Trump, im Wahlkampf verbreitet hat. Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht insbesondere intellektuelle und bürgerliche Journalisten das „postfaktische Zeitalter“ ausrufen oder herbeischreiben wollen. Selbst ins berühmte Oxford Dictionary hat der Begriff „post truth“ Eingang gefunden. Und nur wenige Stimmen höre ich, die da widersprechen, so etwa Joachim Müller-Jung (FAZ) „Die ‚postfaktische Ära‘ ist Nonsens“, oder zuletzt Prof. Andreas Zick auf dem „Forum Wissenschaftskommunikation“ in Bielefeld, der den Begriff zurechtrückt: „Postfaktisch ist ein falscher Begriff, es geht um Verzerrung.“ „Postfaktisch“ – ein Kampfbegriff von Intellektuellen weiterlesen

Share Button

„Herausforderung“  

Share Button

Über die Verarmung der deutschen Ausdrücke

Neulich las ich in einer Stellungnahme der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) zur „Humanen Genomsequenzierung“ folgende Zeilen: „Eine besondere Herausforderung stellen die sogenannten Zusatzbefunde dar.“ Und nur einen Gedankenstrich weiter: „Die Aufklärung von Patientinnen und Patienten bei humangenetischen Fragestellungen ist besonders herausfordernd und vielschichtig.“ Die Beispiele sind beliebig, ich könnte Hunderte weitere solcher Sätze aus Stellungnahmen, Pressemitteilungen und auch aus Interviews von Politikern zitieren. Ein weiteres Beispiel gefällig: „Geld hatte der Staat zu Zeiten der Hochschulgründungen genügend, die Politik hoffte mit Zuversicht, dass die Region sich als blühende Wissenslandschaft entfalten würde. Die Hege und Pflege dieses Erbes ist bis heute eine Herausforderung.“

Was kaum noch auffällt: Jedes Problem, jede Aufgabe, jede Schwierigkeit, ja auch jede Brüskierung, jede Bedrohung, jeder Affront wird verharmlost zur „Herausforderung“. „Herausforderung“ bzw. „herausfordernd“ gerinnen zu einem „Plastikwörtern“ (Uwe Pörsken): Diese Wörter tauchen in beliebigen Zusammenhängen auf, sind vielfältig verwendbar, klingen gut, man fragt nicht danach, was dahinter steckt bzw. die Sprecher sagen wollen; sie drücken sich damit aber stereotypisch und geschwollen aus. „Herausforderung“   weiterlesen

Share Button

Auch ich war in Hannover … *

Share Button

Vier Anmerkungen und ein Fazit zur Tagung „Forschungskommunikation unter PR-Druck“

Da zwei berufenere Kollegen (Josef Zens und Rainer Korbmann) deutlich schneller und ausführlicher als ich kommentierten, was am 5./6.10.2015 so alles auf der Tagung der VolkswagenStiftung „Forschungskommunikation unter PR-Druck“ gesagt wurde, beschränke ich mich auf vier kurze Lehren und ein Fazit:

1) „PR ist nicht die dunkle Seite der Macht!“ Diesen Anfangsworten von Jens Rehländer, Leiter der Kommunikation der VolkswagenStiftung, pflichte ich bei. So haben etwa Markus Lehmkuhl (Berlin) und Petroc Summer (Cardiff) deutlich gezeigt: a) Wissenschaftler sorgen schon vielfach selbst dafür, dass ihre Forschungsergebnisse übertrieben und gehypt werden („Wer nicht auf den Busch klopft, bekommt keine Drittmittel“), b) übertriebene Presseinfos ziehen übertriebene Berichte nach sich, dagegen sachlich korrekte Presseinfos sachlich unaufgeregte Berichte, und c) beide, sowohl übertriebene wie sachlich korrekte Presseinfos haben die gleichen Chancen, von den Medien verbreitet zu werden; Auch ich war in Hannover … * weiterlesen

Share Button

Früher war mehr Öffentlichkeit …

Share Button

 Gedanken zur Informationspolitik bei der aktuellen Rektorwahl in Bochum

Gestern hat mich ein Freund zuhause besucht, er ist Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Als ich ihn fragte, ob er auch am Montag zum Spektakel Rektorwahl geht, rieb er sich die Augen und schaute mich völlig verwundert an: „Jetzt Montag wird der neue Rektor gewählt? Davon weiß ich nichts. Wer steht nun zur Wahl an? Gab es eine Presseinformation?“, so seine Fragen.

Nicht nur der Termin war ihm also völlig unbekannt, er wusste auch nicht welche Personen sich der Wahl stellen. Nun kann man einwenden, dass er sich um die Informationen selbst hätte bemühen können. Hätte er …?! Ist das seine Aufgabe? Was erfährt heute, am Donnerstag, 9.7.2015, ein normales Mitglied der Universität über die Wahl seines zukünftigen Rektors, eine Wahl, die in genau vier Tagen, also am kommenden Montag, 13.7., stattfindet? Wohlgemerkt: ein normales Mitglied meint Personen aus den Gruppen Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Mitarbeiter in Technik und Verwaltung sowie Studierende, die keinen Zugang zum Flurfunk haben! Früher war mehr Öffentlichkeit … weiterlesen

Share Button

Von „Kinder-Unis“ und wie sich journalistische Rollen verwischen

Share Button

Neulich war ich wieder mal in Sachen Kinder-Unis unterwegs. Die Redaktion Wissenschaft und Bildung des Deutschlandfunks hatte mich für die Sendung „Campus & Karriere“ zu einem Streitgespräch mit der Tübinger Journalistin Ulla Steuernagel gebucht (gesendet am 16.5.2015). Ich sollte die „Gegnerposition“ einnehmen. Eine Rolle, die ich bereits ein Jahr zuvor auf der internationalen Kölner Kinderuni Tagung „Unterwegs zur besten Kinderuni“ gespielt hatte und in die mich damals Michael Seifert aus Tübingen gleichsam „gedrängt“ hatte. Na ja, „halb zog er mich, halb sank ich hin“.

Wenn ich das Streitgespräch mit Ulla Steuernagel erneut höre, kommt es mir so vor, als ob wir aneinander vorbeireden. Sie hat nur den Blick frei für die Erfolgsstory der Kinder-Unis und deren nicht erwiesene Rolle in der frühkindlichen Bildung. Mein Blick richtet sich daran vorbei auf die Aufgaben, Zielgruppen und Finanzen von Universitäten. Dabei leugne ich keineswegs, dass Kinder vom Besuch der Kinder-Unis fasziniert nach Hause zurückkehren und dass auch Professoren ihren Spaß an den Veranstaltungen haben. Doch darum geht es mir hier gar nicht. Von „Kinder-Unis“ und wie sich journalistische Rollen verwischen weiterlesen

Share Button

Über das Erscheinungsbild der Ruhr-Universität Bochum

Share Button

Warum mein Blog mit diesem Beitrag startet

Zum ihrem 50jährigen Jubiläum 2015 gibt die Ruhr-Universität Bochum (RUB) in der ersten Juniwoche den Band „Blaues Wunder“ heraus. Er enthält 50 Beiträge von Autoren mit ihrem „persönlichen Bild eines jeweils besonderen Aspekts der Entwicklung und der Gegenwart unserer Alma Mater“ (http://www.ruhr-uni-bochum.de/rub50/publikationen-blaues-wunder.html). Auch mein Beitrag – eine Hommage an die RUB – sollte dort erscheinen.

Im Oktober 2014 bat mich der Herausgeber des Jubiläumsbandes, für diesen Band einen Text zur Entwicklung des Corporate Design der RUB zu verfassen. Seine einzige Vorgabe war „7 Seiten“. Mitte Dezember habe ich meinen Text mit dem guten Gefühl abgeliefert, einen „runden Text“ geschrieben zu haben. Ich hatte mir viel Mühe gegeben, ihn mehrfach überarbeitet und Tipps von Freunden und Kennern eingearbeitet.

Anfang Februar 2015 bekam ich ihn vom Herausgeber erheblich „überarbeitet“ zurück. Insbesondere meine Erklärung, aus welchem hochschulpolitischen Verständnis im Logo der RUB das „B“ mager gedruckt wird, glaubte der Herausgeber aus Rücksicht gegenüber Stadtspitze Bochums streichen zu müssen. Ich hätte gern meinen Beitrag im „Blauen Wunder“ gesehen. Aber ich war nicht bereit, meine Formulierungen auf dem „Altar der political correctnes“ zu opfern. Der Text erscheint also dort nicht, vielleicht auch deshalb, weil ich mir „zuviel subjektive Sicht“ erlaubt habe, die doch angeblich den „Reiz dieser Sammlung“ ausmachen soll.

Da ich weiterhin von der Qualität meines Aufsatzes überzeugt bin, veröffentliche ich ihn hier. Ich verstehe ihn weiterhin als einen kritischen Glückwunsch zum 50.! Der Text ist vielleicht zu lang für einen Blogeintrag – wer ihn daher nicht am Rechner lesen will, kann sich die PDF-Datei hier herunterladen. Über das Erscheinungsbild der Ruhr-Universität Bochum weiterlesen

Share Button