Archiv der Kategorie: Medienkritik

Offener Brief: Ein Appell an die Veranstalter des „Forum Wissenschaftskommunikation“ und der „Wissenswerte“

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Von der Wissenswerte Bremen 2018 zurück muss ich für die Planung im Jahr 2019 erneut feststellen, dass die Termine Eurer beider Veranstaltungen sehr nah, ja zu nah zusammenliegen: Das „Forum Wissenschaftskommunikation 2019“ soll vom 18.-20. November in Essen stattfinden, und schon in der Woche darauf ist die „Wissenswerte Bremen“ vom 25.-27. November terminiert. Ist das nötig? Kann das nicht besser miteinander koordiniert werden? Ich kann nicht umhin festzustellen, dass die Veranstaltungen sich gegenseitig „kannibalisieren“.  Offener Brief: Ein Appell an die Veranstalter des „Forum Wissenschaftskommunikation“ und der „Wissenswerte“ weiterlesen

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Wie wär’s mit einer Nummer kleiner? Über manche Kritik am idw-online.de

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Auf den idw prasselt die Kritik ein: Was sich schon auf dem Forum Wissenschaftskommunikation in Bonn in persönlichen Gesprächen andeutete, kommt nun im Tagestakt auf: Mittwoch (14.11.2018) Marcus Anhäuser im „Medien-Doctor“, nur einen Tag später Elisabeth Hoffmann (15.11.) auf wissenschaftskommunikation.de – und wer reiht sich in den nächsten Tagen noch in unter die idw-Kritiker ein? 

Was ist denn so Gravierendes passiert, dass manche Granden aus der Welt der Wissenschaftskommunikation granteln? Hoffmann startet ihren Text sogar mit Ihrem Faible für „Krisenkommunikation“ und bemüht das Bild vom Elefanten, den man im Bildhintergrund nicht sieht. „Krise“, „Integrität“ „PR-Skandal“ usw. – starke Worte – geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Und was ist wirklich des Pudels Kern? Wie wär’s mit einer Nummer kleiner? Über manche Kritik am idw-online.de weiterlesen

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Wissenschaftskommunikation gegen den Strich gebürstet 

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Es war eine bemerkenswerte Eröffnungsrede, die Prof. Julika Griem, Vizepräsidentin der DFG, zum Start des Forums Wissenschaftskommunikation 2018 in Bonn gehalten hat. Bemerkenswert, weil sie fast alle Standards in Frage stellte, die im letzten Jahrzehnt der Wissenschaftskommunikation Bedeutung verliehen haben. Sie hat aus meiner Sicht sehr überzeugend die Wissenschaftskommunikation gegen den Strich gebürstet.

Manche Teilnehmer klangen im Anschluss eher ratlos. Aus deren Raunen hörte man Wortfetzen wie „verstaubt“, „rückwärts gewandt“ oder „längst überwunden“ heraus. Reiner Korbmann kommentiert in seinem Blog die Rede eher einseitig: „Der Elfenbeinturm wirft noch immer seinen Schatten“, und verweist auf dem „harten Wettbewerb mit allen anderen Kräften der Gesellschaft“. Deswegen benötige, so Korbmann, die Wissenschaft eine Kommunikation, die auf „Transparenz und Partizipation drängt“ und „auch wirklich die Menschen in dieser Gesellschaft erreicht“. Tatsächlich alle? möchte man ihn zurück fragen … Jan Steffen wendet gegen Priems Verdikt des „barrierenfreien Abenteuerspielplatz“ ein: „Schon ein Wort, das Leserinnen oder Leser nicht verstehen, kann dazu führen, dass sie ‚aussteigen‘ und den Text nicht weiterlesen. Auf die Bandbreite der Wissenschaftskommunikation übertragen bedeutet das: Schon kleinste Barrieren können Menschen abschrecken.“ Aber doch nur, weil Wissenschaftskommunikation schon seit Jahrzehnten glaubt und kräftig daran arbeitet, dem Publikum nichts mehr zumuten zu dürfen.  Wissenschaftskommunikation gegen den Strich gebürstet  weiterlesen

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Wissenschaft ist für jeden zugänglich

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Was ist von einem Beitrag eines Diplom-Biologen und eines Geobotanikers zu halten, der wissenschaftliche Expertise gegen Fake News fordert, aber im Text behauptet, Eulen könnten „ihren Kopf um 180 Grad drehen“ – statt, richtiger, um 270 Grad? Das mag eine lässliche Sünde sein, sie zeigt aber die Komplexität des Problems: Irren ist ebenso menschlich wie die bewusste Desinformation – und manchmal ist die Ursache schlicht Zeitmangel.

Diese Petitesse steht im Artikel „Wie man Wissenschaft zugänglich macht“ (Zeit, Nr. 42/2018), mit dem sich Volker Stollorz und Reinhard Hüttl mit zum Teil fragwürdigen Argumenten für die Bildung einer Stiftung für Wissenschaftsjournalismus stark machen. Leider versäumen sie aber zu erklären, wofür das Geld verwendet werden soll. Der Beitrag verstärkt die Forderungen, die bereits im Gutachten der Akademien „Zur Gestaltung der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und den Medien“ (WÖM II) 2017 in Berlin erhoben wurden: öffentliches Geld für Wissenschaftsjournalismus zu reklamieren. Nur dass sie jetzt Geld aus der Forschungsförderung dafür abzweigen wollen. Ist das gerechtfertigt?

Für ihr Plädoyer deuten sie geschichtliche Tatsachen zum Teil um. Sie behaupten zwar zu Recht, dass nach dem PUSH-Memorandum 1998/99 „viel passiert“ sei, beschränken das aber allein auf die „Wissenschaftskommunikation“– einen Begriff, der zur Zeit des PUSH-Memorandums noch gar nicht im Gebrauch war. Sicher: mittlerweile gibt es bundesweite Wissenschaftsjahre, Hochschulen veranstalten Vorlesungen für Kinder, Universitäten lange Nächte der Wissenschaft und so weiter. Aber historisch falsch ist, dass im selben Zug – wie man aus ihrem Text herauslesen kann – „die öffentlichen und privaten Medien ihre Wissenschaftskompetenz abgebaut“ hätten. Das ist historisch nicht haltbar. Wissenschaft ist für jeden zugänglich weiterlesen

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Vom Verlust der leisen Töne

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Vor knapp zwei Jahren habe ich mir „neue Ohren“ gegönnt, na ja, ein Paar Hörgeräte. Zu lange hatte ich mich in lauter Umgebung aus Gesprächen ausgeschlossen gefühlt; ich konnte einfach die Stimmen der einzelnen und was sie sagten nicht mehr so genau unterscheiden. Mit den neuen Hörgeräten bin ich wieder mitten im Geschehen: Ich kann den meisten Gesprächen folgen, manches Musikstück entdecke ich neu und empfinde dabei einem besonderen Genuss; außerdem höre ich plötzlich wieder Wasser aus dem Hahn rauschen, Papier rascheln und selbst gelegentlich das leise Piepsen der Spülmaschine, die das Ende des Programms ankündigt. Viele verloren gegangene Töne sind wieder da!

Dennoch vermisse ich die leisen Töne! Noch mehr vielleicht die Zwischentöne. Aber ganz wo anders. Als Mensch der Medien und der Kommunikation verfolge ich natürlich die tägliche Nachrichtenwelt mit großer Neugier und sehe, dass sie hier weitgehend verloren gegangen sind. Übrig geblieben ist fast allein das laute Geschrei. Das zeigt sich besonders dieser Tage bei den Stimmen und Kommentaren zu den Sondierungsgesprächen für die so genannten Jamaika-Koalition, ihrem Scheitern und der hastigen Suche nach Auswegen zwischen Neuwahlen, Minderheitsregierung und erneuter Großer Koalition. Eine Meute von Tagesjournalisten hetzt die Politiker vor ihre Kameras und Mikrofone, aber mir kommt es vor, dass sie den Antworten kaum noch zuhört. Es ist, als ob sie nicht mehr die Zeit hat, das Gesagte zu verarbeiten, oder es auch gar nicht will. Besserwisser sind zumeist unterwegs und verkünden ihre Meinung in aufgeregter und hochgerüsteter Sprache. Vom Verlust der leisen Töne weiterlesen

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