Wissenschaft braucht das Grundvertrauen von Laien

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Der Kölner Philosoph Thomas Grundmann beendet seinen bemerkenswerten Beitrag „Der Weg der Wahrheitsfindung“ mit dem Satz: „Der Erfolg der modernen Wissensgesellschaft beruht essenziell auf Asymmetrien der Glaubwürdigkeit.“ Er folgert daraus, dass das „Vertrauen in Experten und Autoritäten … geschützt und gestärkt werden“ müsse.

Fast reflexartig meldet sich auf den Beitrag der Wissenschafts-PR-Experte Jens Rehländer in seinem Blog mit der reißerischen Überschrift: „Wissenschaftler findet: Wissenschaft braucht keine Öffentlichkeit“. Für ihn enthalten Grundmanns Thesen „starken Tobak“.

Wer hat nun Recht? Grundmann oder Rehländer – oder womöglich beide? Was behauptet denn Grundmann so Schlimmes, das Rehländer zu dieser Reaktion veranlasst?

Nicht jede Meinung zählt gleich

Grundmanns Text ist typisch für Philosophen: Er spitzt seine Beobachtungen auf eine Grundthese zu: „Die moderne Wissensgesellschaft ist durch starke Asymmetrien der Glaubwürdigkeit gekennzeichnet. Nicht jede Meinung zählt gleich viel, und Laien sollten den Experten zumindest fachlich folgen. Die Spielregeln der Wissensgesellschaft unterscheiden sich damit radikal von den Spielregeln der modernen Demokratie, in der jede Stimme gleich viel zählt, Politik dem Wähler verständlich sein muss und allein die Mehrheit entscheidet.“

Auch ich bin Laie

Das klingt plausibel. Ich mache das an mir fest: Ich arbeite seit 30 Jahren in der Wissenschaftskommunikation, lese täglich Berichte aus vielen Wissensgebieten. Als Sprecher der Ruhr-Universität Bochum habe ich 23 Jahre von mehr als 400 Lehrstühlen in 20 Fakultäten – von der Archäologie bis zur Zoologie – ständig Neues erfahren, ein wirklich spannender Job! Diese Texte stammten von Wissenschaftlern, die in der Regel fünf bis sechs Jahre studiert, zwei bis vier Jahre für die Dissertation geforscht, weitere fünf oder gar acht Jahre an seiner Habilitation gearbeitet und seitdem mehrere Projekte durchgeführt haben. Während die Wissenschaftler also sehr tief in ihre Arbeitsgebiete gedrungen sind, kratze ich gerade mal zaghaft an der Oberfläche des jeweiligen Fachs. Selbst wenn ich die Inhalte zumeist nachvollziehen konnte, wurde ich dadurch zu keinem Experten – das bin ich allenfalls in der Wissenschaftskommunikation. Wem gebührt also mehr Vertrauen: Mir als Laien oder den Wissenschaftlern?

Nun kann man mir sagen: Du hast doch auch sechs Jahre studiert, drei Jahre an der Promotion gesessen, usw. Meine Antwort: Aber nur in einem Fach und das vor inzwischen 35 Jahren. In dieser Zeit ist selbst mein eigenes Fach mir so enteilt, dass ich neuere Erkenntnis schwerlich beurteilen kann. So erging es mir kürzlich, als ich mich mit einem aktuellen Text zur Metaphysik befasste – so fern ist mir das Fach inzwischen. Um so weniger kann ich Fächer kommentieren, die ich noch nicht einmal studiert habe. Ich kann mir doch höchstens über die Plausibilität der Aussagen kritische Gedanken machen, falls ich sie verstehe.

Wissenschaftsjournalisten sind keine Wissenschaftler

Nun gibt es die ausgewiesenen Wissenschaftsjournalisten. Ihrem Urteil könnte man mehr Zutrauen entgegenbringen. Aber wirklich mehr als dem des Wissenschaftlers selbst? Nehmen wir jemanden in der Redaktion der FAZ oder SZ oder der ZEIT. Sie mögen Biologie, Physik, Chemie, Archäologie, Geologie oder was auch immer studiert haben. Aber seit fünf, zehn oder gar 15 und mehr Jahren machen sie Zeitung! Sie lesen zwar Nature, Science, PNAS, und andere wichtige Zeitschriften und sind vielleicht am „Puls der Wissenschaft“ – aber doch nicht mitten drin im Herzen oder gar im Kopf. Außerdem müssen sie über weit mehr als nur ihr früheres Fach schreiben, deshalb sind sie keine Experten, nicht vergleichbar dem Wissenschaftler, der unmittelbar die Untersuchung durchführt. Und die Journalisten sind nicht mehr in den tiefen Verzweigungen und Niederungen ihrer „früheren Fächer“ unterwegs, sie kommen allein schon aus Zeitgründen nur wenig tiefer als als der Oberfläche. Sie haben andere Rollen, sie sind Chronisten, Übersetzer, Erklärer und absolut notwendige kritische Beobachter und Kommentatoren der Wissenschaft und können Widersprüche zwischen Wissenschaftlern finden und benennen. Deshalb urteilt das Science Media Center Deutschland zumeist nicht, sondern stellt die Fülle von Expertenmeinungen zusammen. Und das ist gut so!

Von anderen Laien 

Um wieviel weniger ist dann dem Urteil von Laien zu trauen, die Grundmann im Blick hat? Jene, die womöglich vor 15 Jahren Chemie studiert haben, aber inzwischen Manager sind oder als als Quereinsteiger Software schreiben. Was ist mit dem Lehrer, der kaum Zeit hat, Schritt mit dem Fach zu halten? Dem Mathematiker in einer Versicherung? Alles Akademiker, sie mögen gut in ihrem Job sein, sind aber Laien überall anderswo – übrigens genau wie der Wissenschaftler, der nur und allein in seiner Fachnische Experte ist und überall anderswo nur ein Laie!

Nochmal Grundmann: „Natürlich sind Wissenschaftler weder unfehlbar noch unbestechlich und frei von Eigeninteressen.“ Genau deshalb fordert er Laien dazu auf, kritisch zu bleiben, erst recht, wenn zwei oder mehr Experten sich widersprechen oder „es Indizien dafür gibt, dass der Experte interessengeleitet oder bestochen war.“

Aber für Grundmann gilt, dass „das Vertrauen in die Experten der zuverlässigste Weg der Wahrheitsfindung“ ist. „Das System selbst beinhaltet Korrekturmechanismen, durch die Fehler aufgedeckt werden.“ Hat nicht unlängst die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Rolle von Ombudspersonen gestärkt, führen nicht Plagiate zu Sperrung bei Drittmittelanträgen, hat nicht die Wissenschaft selbst einen Herrn Schön, einen Herrn Kwang und andere aus ihrer Gemeinschaft verbannt?

Rehländer bemängelt zu Recht das „gefühlt stetig wachsende Maß mit Widerrufen von peer-reviewed Artikeln“, die bestellten Gutachten. Aber wie viele Verfehlungen kommen tatsächlich vor im Vergleich zu der großen Menge an Forschungstexten? Sind jene nicht verschwindend gering im Vergleich, nur dass diese dann von Medien hochgepuscht werden?

Grundmann schreibt: „Der Laie sollte Expertenmeinungen sogar dann folgen, wenn sie ihm eher abwegig erscheinen“ – einen Satz, den Rehländer auf Twitter besonders herausgestellt hat. Aber: Ist die Vorstellung von „Schrödingers Katze“, die gleichzeitig lebendig und tot ist, nicht etwa abwegig? Und wer außer Experten versteht wirklich die Quantentheorie oder hat eine genaue Vorstellung vom Higgs-Teilchen? Kann ich als Laie mir ein Urteil darüber erlauben?

Wie kann daher die Laienmeinung genau so viel Wert sein, wie die vom Fachwissenschaftler? Ich diskutiere auch nicht mit dem Piloten über die Route und ob eine andere Kerosin spart. Und ich vertraue meinem Zahnarzt, wenn er den Zahn zieht, und diskutiere genauso wenig mit dem Förster, ob er diesen oder besser jenen Baum abholzen lässt … Warum also sollte die Schar der Laien jeden Wissenschaftler in Frage stellen dürfen?

Kakophonie zerstört Werte

Grundmanns Hauptthese ist, dass die Vielstimmigkeit von Laien im Internet zum Teil die Expertenmeinung übertönt, dass sich hier Personen Urteile über alles mögliche erlauben (können), ohne überhaupt in die Wissenschaft eingedrungen zu sein, und dass sie so auf Dauer das Vertrauen in die Experten untergraben. Ist diese Annahme so falsch angesichts der Kakophonie im Netz? Noch vor wenigen Tagen hat Bernhard Pörksen die „Empörungsdemokratie“ verurteilt und „eine konkrete Bildungsutopie, die Idee der redaktionellen Gesellschaft“ gefordert: „Wir haben mit dem guten Journalismus ein publizistisches Wertegerüst und ein Handwerk, das heute zu einem Bestandteil der Allgemeinbildung werden sollte“.

Grundmanns Schlussakkord: „Das Vertrauen in Experten und Autoritäten muss geschützt und gestärkt werden. Deshalb sollte die Öffentlichkeit aufgeklärt werden, dass sich die Spielregeln der Wissensgesellschaft und der Demokratie unterscheiden.“ Was ist daran falsch? Ob etwas der „Wahrheit“ entspricht – oder wie es in der Wissenschaft heißt: noch nicht falsifiziert ist -, das ist doch keine Frage, die per Mehrheitsentscheidung bestimmt wird.

Demokratie und Gesellschaft haben eine andere Funktion: Sie geben das Geld für die Wissenschaft und können mit Fug und Recht verlangen, dass Wissenschaftler sich an die eigenen Regeln halten!  Und sie bestimmen weitgehend, ob bestimmte Wissensgebiete nach gesellschaftspolitischen oder ethischen Maßstäben mehr oder weniger oder gar nicht beforscht werden sollten.

Kein Ende der Wissenschaftskommunikation

Schließlich die Wissenschaftskommunikation. Selbstverständlich kommunizieren Wissenschaftler mit Laien. Alle Studierende sind es am Anfang des Studiums. Und es gibt mehr oder weniger begnadete Wissenschaftler, die ihr Fach und ihre Erkenntnisse hervorragend auch dem allgemeinen Publikum erläutern und das weiter tun sollen. Sie tun es aber als Lehrende, also als Teil ihrer Profession. Auch die Mitglieder des Siegener-Kreis erwarten das zu Recht von Wissenschaftlern. Und Science-Marchs sind auch nichts anderes als Aufrufe um mehr Vertrauen in die Wissenschaft.

Zu guter Letzt unsere Zunft: Selbstverständlich müssen die Kolleginnen und Kollegen in den Pressestellen kritisch mit den Informationen ihrer Wissenschaftler umgehen. Aber wenn sie von vornherein ihnen nicht ein Grundvertrauen entgegen brächten, könnten sie doch sofort den eigenen Job an den Nagel hängen! Es geht nicht darum, dass keine Wissenschaftskommunikation mehr stattfindet, sondern dass sie sich ihrer eigenen Rolle bewusst bleibt und sich an die eigenen Qualitätsmaßstäbe hält.

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10 Gedanken zu „Wissenschaft braucht das Grundvertrauen von Laien

  1. Als Texterin für Audio-Guides habe ich eine ähnliche Erfahrung wie Sie. Studium und Fachwissen sind das Eine – ein ständig aktualisiertes „Laienwissen“, was andere Fächer, Naturwissenschaften, Politik oder eben Kultur angeht, das Andere – und wahrlich nicht der zu vernachlässigende Rest. Eine regelrecht schockierende Erfahrung diesbezüglich habe ich vor vier Jahren gemacht, als ich ein Kinderhörbuch über Technikgeschichte schrieb habe und mit Experten sprach, die seit ihrer Studienzeit in den 1990er Jahren ihr Wissen nicht mehr aufgefrischt hatten. Geschenkt! Ich meine, es gibt immer Menschen, die vielleicht auf eine Art zu bequem werden, wenn sie erst eine feste Stelle haben. Aber mir wurde mit einem Schlag klar, dass – egal ob als Wissenschaftlerin oder als „einfach“ interessierte Person – aktuelle Forschung zum wesentlichen Kern unseres Denkens gehören muss. Solange wir leben, und solange wir Entscheidungen treffen, sollte Forschung eine wichtige Anregung für eigenes Denken bleiben. Und eben: „Asymmetrie“ bedeutet nicht automatisch „Hierarchie“ oder „Propaganda“. Die Idee, komplexe Ideen für ein „breites Publikum“ „herunterzureichen“ (autsch!), muss immer wieder neu bedacht und mit großem Respekt vor dem Publikum neu angegangen werden. Insofern Ihnen auch vielen Dank für Ihre Arbeit beim idw!

    1. Vielen herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte! Ich stimme gern mit Ihnen überein – und bin der Ansicht, dass Wissenschaftskommunikation viel Wert hat und kritische begleitet werden muss.

  2. Als nicht studierter Mensch bin ich Laie in allen wissenschaftlichen Bereichen, was mich als ausgewiesenen Experten im Bereich der wissenschaftlichen Laienhaftigkeit qualifiziert.

    M.M.n. hat die heutige Wissenschaft neben den zurückgezogenen Studien mindestens ein weiteres großes Problem: die mangelnde Bescheidenheit im Umgang mit Forschungsergebnissen (oder auch Nicht-Ergebnissen). Da wird die These viel zu oft als Erkenntnis in die Welt posaunt. Oder auch uraltes Jedermannswissen als Ergebnis neuester Forschung „verkauft“.

    Hinzu kommt, dass es in den klassischen, „harten“ Wissenschaften (Chemie, Physik) weitaus weniger zu verkünden gibt, als in den „weichen“ Wissenschaften. Also jene, die von Gymnasialschülern gerne und zutreffend als „Laberfächer“ bezeichnet werden. Ist der Begriff „WISSENschaft“ für die Philosophie gut gewählt? Kann der Ernährungsmediziner seine These von der lebensverlängernden Wirkung irgendwelcher Beeren wirklich beweisen? Und warum beträgt dann die Halbwertzeit dieser „neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis“ meist nur ein paar Monate?

    Wie kann der „Wissenschaftler“ verkünden, er habe herausgefunden, dass Hunde menschliche Zeigegesten verstehen, wo das doch seit Jahrhunderten Alltagswissen von Schäfern, Jägern und Tante Lotti ist?

    Ja, da fasst sich der Laie an den Kopf und fragt sich: „was machen die da eigentlich?“
    Meinen „Studien“ zufolge lautet die Antwort: Publizieren!
    Aber beweisen kann ich das nicht…

    1. Sie haben Recht: Wissenschaftler publizieren, denn nur was publiziert wird, wird diskutiert und bringt ihnen Aufmerksamkeit. Dabei ist die „mangelnde Bescheidenheit“ mir zu pauschal. Wie in jedem Beruf gibt es auch unter Wissenschaftlern eitle, weniger eitle und uneitle Menschen. Und natürlich ist der Beweis von Wahrheit immer ein vorläufiger, denn Wissenschaft ist der Versuch, ihr nahe zu kommen – und wie überall gilt auch dort, dass das bessere der Feind des Guten ist. Und ob Tante Lotti oder jeder Jäger recht hat, wenn er glaubt, dass der Hund sie versteht, auch daran kann man zweifeln. Kann es vielleicht sein, dass Hunde ihre eigene Taktik haben, Menschen glauben zu lassen, dass sie von ihnen verstanden werden? Letztlich werden wir es nie wissen – denn, wie bereits Thomas Nagel im Aufsatz „What is like to be a bat“ geschrieben hat: Wir werden nie selbst wie eine Fledermaus oder in diesem Fall ein Hund wissen können, wie es ist, ein Hund zu sein.

  3. moin moin,
    ick bün all dor… weil ich über die idw-nutzerinfo („Abschied“) von dieser Seite erfahren habe und neugierig auf die „widderworte“ war. Eine interessante Seite – mit „anderer Meinung“.
    Besonders gut gefällt mir der kurze Satzbau in für Laien verständlicher Sprache. Und die klare Meinung bzw Diskussion: „Wissenschaft braucht das Grundvertrauen der Laien“.
    Ich bin Laie, aber auch Querdenker (+Radio-Journalistin im Bürgerfunk).
    Da fällt mir im Gegensatz zum Autor auf, wieviele Laien Grundvertrauen in die Wissenschaft haben, zB wenn es um die Ernährung oder Gesundheit geht. Da ist das, was die Wissenschaft dazu sagt, das „Amen“ in der Kirche. Kurz gesagt, nach meiner Wahrnehmung haben Laien eher zuviel Vertrauen in die Wissenschaft. Sind es daher nicht eher die Journalisten, die der Autor meint?
    Nun, in unserer Gesellschaft hat der Journalismus inzwischen an vielen Stellen eine andere Aufgabe als Vertrauen zu bilden. Er lebt davon, fast überall fast alles in Frage zu stellen und schreckt auch vor persönlichen Unterstellungen nicht zurück. In Erinnerung ist mir da zB der Umgang mit Prof. Dr. Hugo Rüdiger und seinen Forschungsergebnissen über schädliche Handy-Strahlung.
    Wie auch immer, wir Menschen brauchen sicher Grundvertrauen und das nicht nur in die Wissenschaft. Aber brauchen wir nicht auch die kritische Vernunft?
    „Denke selbst, sonst tun´s andere für Dich“ (Vince Ebert)

    1. Danke für Ihr Interesse und auch Ihre kritischen Anmerkungen. Sie könnten Recht damit haben, dass der Laie das Grundvertrauen hat, aber viele Journalisten, gleichsam als „Déformatión professionélle“ dieses vermissen lassen. Und dennoch sieht man heute etwa beim Thema Impfen, wie sehr bei manchem das Vertrauen fehlt und sie glauben, auf gleicher „Augenhöhe“ mit Wissenschaftlern sprechen zu dürfen, obwohl gerade hierbei die Belege für das Impfen überzeugende sind (ähnlich in der Klimadiskussion). Worum es mir aber in dem Aufsatz ging – und vielleicht hätte ich in Ihrem Sinne besser die Laien auf Journalisten eingeschränkt, war zu zeigen, dass es auch eine Frage des Respektes ist, die Leistungen von Menschen, die ihr Leben lang an wenigen Fragen sehr tief dringen, anzuerkennen und nicht vorschnell ihnen zu misstrauen.

  4. @ Rolf Gassmann + minbari.
    Leider erscheint das Kommentarfenster nicht direkt unter „Antworten“ auf die Kommentare oben, denn dawollte ich hin.
    „Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen“ sagten unsere Vorfahren Salomon nach – wie auch dem Hl. Franziskus. Wenn dann „Wissenschaftler“ nachweisen, dass das gar nicht möglich ist, frag ich mich, haben die richtig geguckt/geforscht? Bei Neumond sehen wir keinen Mond. Ist er deshalb etwa nicht da?
    Bei der modernen Humanmedizin fällt mir immer öfter auf, dass Jungmediziner hervorragendes Detailwissen haben, sobald Labordaten das hergeben. Da können sie fast wie ein PC-Programm die dazu gehörenden Diagnosen runterbeten. Ohne technische Hilfsmittel sind sie aber kaum in der Lage eine angemessene Diagnose zu stellen. Da wären manche Patienten beim Tierarzt besser versorgt.
    Ich selbst habe vor 50J. einige Zeit lang im Forschungslabor gearbeitet. Geforscht werden konnte schon damals fast nur an Themen, die (ko)finanziert wurden. Diese Situation hat sich eher verschlimmert. Daher gilt dort auch heute noch: „Wes brot ich ess, des Lied ich sing.“ Beispiel dafür ist zB in der Ökotrophologie die Verharmlosung von Zucker und die Verteufelung von Fett.
    Mit der Abschaffung der Impfpflicht hat der Staat selbst den Grundstein fürs Misstrauen in der Bevölkerung gelegt. Warum sollte die an die Vorteile des Impfens glauben, wenn Vater Staat nicht bereit ist, die Risiken dafür zu übernehmen?

    1. Es gibt viele Irrtümer, die später einmal aufgedeckt und durch neues Wissen abgelöst werden. Und es gibt sicher interessengeleitetes Wissen, das dem „Gelde“ geschuldet ist – aber häufig genug wird auch dieses durch neues Wissen abgelöst.
      Sorry, aber mit dem Vieh und den Vögeln sprechen, damit habe ich es nicht so sehr – und mit Thomas Nagel bin ich der Ansicht, wir werden nie erfahren können, ob und wie sie denken – sofern sie in irgendeiner uns „vertrauten“ Form es tun sollten. Da schweige ich lieber.
      Was die jungen Mediziner angeht, nur noch ein Satz: Es gibt inzwischen sehr ernstzunehmende Stimmen aus der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, die voraussagen, dass es nicht mehr lange dauern wird, dass Roboter mit den Labordaten von Patienten deutliche zuverlässige Diagnosen stellen werden, als jeder Arzt durch seine Erfahrung kann. Das mag als Segen oder als Fluch betrachtet werden – aber falls die Diagnosen wirklich zuverlässiger werden, kann ich das nur als Segen betrachten. Es gibt genug Ärzte, die etwa bei Screenings auf falsch positive oder falsch negative Befunde hereinfallen, häufig auch zum Leid der Patienten.
      Mit freundlichem Gruß, Josef König

  5. Sie haben Recht, minbari, aber…
    Respekt gebührt nicht nur Wissenschaftlern sondern auch Laien.
    Zwar war Gallilei Wissenschaftler, aber hat er nicht er das geozentrische Weltbild seiner Zeit zerstört? Widersprach er damit nicht auch den Wissenschaftlern seiner Zeit? Oder war er damals etwa der Erste und Einzige?
    Ich glaube, wir sollten alle etwas achtsamer miteinander umgehen und bereit sein, voneinander zu lernen – auf Augenhöhe.
    Das ist allerdings nicht Schlagzeilen verdächtig und fördert auch nicht die Auflagenstärke von Publikationen. Da liegt der Hase im Pfeffer!

    1. Zunächst: Respekt gebührt jeden Menschen, der sich diesen verdient hat – sei es durch Leistung, durch Können, durch ein Verhalten, das respektvoll auch anderen gegenüber sich zeigt.
      Sodann muss ich Ihnen widersprechen. Das Geozentrische Weltbild hat Nikolaus Kopernikus zerstört und das heliozentrische stattdessen bewiesen. Galileo hat dieses nur weiter tradiert mit seinem berühmten Spruch „und sie dreht sich doch.“ Nachtrag: Im übrigen haben bereits die alten Griechen Theorien über das heliozentrische Weltbild produziert, die lange vergessen waren, so etwa Seleukos von Seleukia und auch von Aristarchos von Samos soll es ein Buch dazu gegeben haben.
      Dass Wissenschaftlern anderen Wissenschaftlern widersprechen ist Alltag. Sie stehen, wie Robert Merton es ausgedrückt hat, „auf Schultern von Riesen und sehen damit weiter. Wissenschaft ist immer nur – so mein Verständnis – eine Annäherung an eine vermeintliche Wahrheit, und nur im respektvollen Streit kommen wir vom Fleck. Oder anders ausgedrückt: Die Flügel müssen schon kräftig flattern, damit der Vogel hochsteigt.
      Mit dem Begriff „Augenhöhe“ habe ich so meine Probleme. Ein Laie kann nicht auf gleicher Augenhöhe sein, wie ein Wissenschaftler, der sein Leben lang einer Frage nachforscht und tief in die Materie eindringt, egal wie sehr er vielleicht auch irrt. Aber dafür ist der Wissenschaftler überall außerhalb seines Wissensgebietes ebenfalls Laie – ein Trost.
      Mit freundlichem Gruß, Josef König

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