„Wolkige Kommunikation“? Nein, wolkiger Kommentar!

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Der Kommentar von Jan-Martin Wiarda im ZEIT-Campus-Brief vom 4.10.2018 und in seinem Blog kann nicht unwidersprochen bleiben. Die Art und Weise, wie Wiarda die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2018 und der Befragung Carsten Könneckers (Karlsruhe) der Teilnehmer der Lindauer Nobelpreisträgertagungen interpretiert, ist nicht angemessen. Die Konsequenzen, die er daraus für die Wissenschaftskommunikation fordert, sind schlicht falsch.

Wiarda verweist darauf, dass zwar 54 Prozent der Menschen in Deutschland Wissenschaft und Forschung vertrauen, meint aber „allerdings schlucken“ zu müssen, weil Dreiviertel der Befragten „sagen, dass die Orientierung am Gemeinwohl zu den Eigenschaften eines guten Wissenschaftlers“ gehörten, aber dass nur 40 Prozent glaubten, dass Wissenschaftler tatsächlich zum Nutzen der Gesellschaft forschten. Wiarda meint darin, eine langfristig gefährliche Kluft für die Akzeptanz freier Forschung sehen zu müssen. 

Wissenschaft genießt mehr Vertrauen als Wiarda glauben machen will 

Schaut man auf das Wissenschaftsbarometer 2018 genauer, so erkennt man, dass zwar 54 Prozent der Befragten der Wissenschaft und Forschung vertrauen, dass aber immerhin 39 Prozent unentschieden sind und nur ganze 7 Prozent (!) ihr nicht vertrauen. Die gute Nachricht ist deutlich besser, als Wiarda sie lesen will. Auch bei der Frage nach der Orientierung am Gemeinwohl darf man nicht neben den 40 Prozent, die glauben, dass Wissenschaftler zum Nutzen der Gesellschaft forschen, die noch größere Zahl von 46 (!) Prozent schlicht unter den Tisch fallen lassen, die in dieser Frage unentschieden sind. Letztlich stimmen gerade mal 12 Prozent der Frage zu, dass Wissenschaftler sich nicht am Gemeinwohl orientierten. Und was die Befragung von Carsten Könnecker angeht, so betont dieser selbst, dass seine Ergebnisse alles andere als repräsentativ seien, sondern nur eine besondere und kleine Gruppe junger Wissenschaftler tendenziell spiegelten.

Wiarda meint daraus den Schluss ziehen zu können, dass es richtig wäre, wenn Projektgelder nur dann fließen sollten, wenn mit ihnen zugleich „eine Verpflichtung zur Kommunikation nach außen“ verbunden wäre, die „von den Forschern selbst geleistet werden müsste“. Denn „Das Reden mit der Gesellschaft, die sie finanziert, gehört von jeher zum Kern wissenschaftlicher Arbeit“. 

Falsche Erwartung an die Wissenschaftler 

Dieser letzte Satz ist so wolkig, wie falsch und unnötig. Wissenschaftler haben die Aufgabe, so gut wie möglich zu forschen und zu lehren. Dafür werden sie von der Gesellschaft bezahlt – und das schreibt ihnen jedes Landeshochschulgesetz vor. Wenn Wissenschaftler darüber hinaus auch noch fähig sind oder dazu besonders befähigt werden, ihre Forschungen auch einer breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren – um so besser! Dennoch sie sind m.W. die einzigen Menschen im Öffentlichen Dienst, von denen Kommunikation mit und von der Öffentlichkeit erwartet wird. Wissenschaftler aber dazu zu zwingen oder Forschungsgelder nur mit der Erwartung zu verknüpfen, selbst ihre Forschung der breiten Öffentlichkeit zu erklären, ist eine meines Erachtens maßlose Überhöhung der Aufgabe von Wissenschaftskommunikation.

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4 Gedanken zu „„Wolkige Kommunikation“? Nein, wolkiger Kommentar!

  1. Ob ein Kommentar unnötig ist oder nicht, ist schwer zu entscheiden, oder? Ich möchte in die Debatte einwerfen, dass die EU mit ihrer Anforderung, bei den RIA Research and Innovation Projekten zehn Prozent für Dissemination auszugeben, deutlich mehr verlang als die dfg von SFBs oder das BMBF von Kopernikus oder Käte Hamburger Projekten. Und wenn man Geld eins zu eins mit Wirkung setzt, wird also von der EU mehr Bedeutung diesem Feld Kommunikation beigemessen.

    1. Das ist richtig, was Sie schreiben. Die DFG hat schon vor Jahren darüber geklagt, dass sie 1 Prozent der Mittel für Öffentlichkeitsarbeit von Projekten (auch in der Normalverteilung) bereit hält, aber selbst diese werden nicht vollständig ausgeschöpft. Ob das inzwischen anders ist, kann ich nicht sagen, sondern nur hoffen. Jedenfalls habe ich in meiner Zeit als Pressesprecher der Ruhr-Universität Bochum noch erlebt, dass zwei SFBs Projekte für Öffentlichkeitsarbeit genehmigt bekommen haben.

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